PROSPECT liefert Ärzten auf der Grundlage veröffentlichter Evidenz und Expertenmeinungen Argumente für und gegen den Einsatz verschiedener Maßnahmen bei postoperativen Schmerzen. Ärzte müssen ihre Entscheidungen auf der Grundlage der klinischen Umstände und der örtlichen Vorschriften treffen. Es müssen stets die örtlichen Verschreibungsvorgaben für die genannten Arzneimittel herangezogen werden. Da Anästhesisten maßgeblich an der Schmerztherapie in der Geburtshilfe beteiligt sind, erweitert die PROSPECT-Arbeitsgruppe den postoperativen Bereich bis auf den Zeitraum nach der Entbindung.
Eine vaginale Entbindung insbesondere im Zusammenhang mit einer Episiotomie oder Dammrissen geht häufig mit erheblichen postpartalen Schmerzen einher (Declercq 2008). Dies kann Mutter und Kind soweit beeinträchtigen, das dies ein Risikofaktor für anhaltende Schmerzen sowie für postpartale Depression darstellt (ACOG committee opinion No. 742, 2018; Eisenach 2008; Lu 2024). Die Schmerztherapie in diesem Kontext ist bislang nur unzureichend erforscht, und evidenzbasierte Empfehlungen sind rar.
Ziel dieser PROSPECT-Übersichtsarbeit (Luxey 2024) war es, die verfügbare Literatur zu den Auswirkungen pharmakologischer (systemische und regionale Analgesie) und nicht-pharmakologischer Ansätze sowie chirurgischer Eingriffe auf Akutschmerzen nach einer vaginalen Entbindung mit Dammrissen oder Episiotomie auszuwerten und evidenzbasierte, verfahrensspezifische Empfehlungen für die postpartale Schmerztherapie dafür zu entwickeln.
Die einzigartige PROSPECT-Methodik ist unter https://esraeurope.org/prospect-methodology/ verfügbar. Die Methodik berücksichtigt die klinische Praxis, die Wirksamkeit und die Nebenwirkungen pharmakologischer und nicht-pharmakologischer Analgesieverfahren und gewährleistet eine kritische Bewertung der klinischen Relevanz jeder einbezogenen Studie (Joshi 2019). Die PROSPECT-Methodik wurde nun für zukünftige Übersichtsarbeiten aktualisiert (Joshi 2023).
Die Literaturdatenbanken wurden bis März 2023 durchsucht. Diese systematische Übersichtsarbeit wurde bei PROSPERO registriert: CRD42022342275.
Bei Dammrissen ersten oder zweiten Grades, ist weder die Versorgung mit Nähten oder Kleber, verglichen mit einer Nahtversorgung, in Bezug auf das Outcome von Schmerzen empfohlen.
COX, Cyclooxygenase; NSAID, nichtsteroidales Antirheumatikum; RCT, randomisierte kontrollierte Studie; SOAP, Society of Obstetric Anesthesiology and Perinatology; TENS, transkutane Nervenstimulation.
Maßnahmen, die zur Behandlung von postpartalen Schmerzen bei Frauen mit Dammrissen oder Episiotomien nicht empfohlen werden.
*Keine Studie verglich die Wirkung von NSAIDs in Kombination mit Paracetamol mit der jeweiligen Monotherapie.
NSAIDs, nichtsteroidale Antirheumatika ; SOAP, Society of Obstetric Anesthesiology and Perinatology; TENS, transkutane Nervenstimulation.
PROSPECT-Empfehlungen: Vaginale Entbindung mit Dammtrauma – Infografik
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